von: M6services

April 15, 2026

Sozialistischer Verlag 1:
Mit revolutionärer Literatur erarbeiten wir die sozialistische Gesellschaft zu Lebzeiten

Boetsch web revolutionärer Literatur

Sozialistischer Verlag 1: „Mit revolutionärer Literatur erarbeiten wir die sozialistische Gesellschaft zu Lebzeiten.“

1. Die Revolution – Erhebung der Arbeiterklasse


Wir im Verlag Rotscheibe gehen mit einer neuen Losung in die Offensive, mit einem neuen Slogan bewegen wir uns in der gesellschaftlichen Gegenwart. Er lautet:

„Mit revolutionärer Literatur erarbeiten wir die sozialistische Gesellschaft zu Lebzeiten.“

Wie findest du diesen Slogan? Schreib uns gerne eine Mail an oder hinterlasse uns einen Kommentar! Denn wir wollen es richtig wissen, deswegen wollen wir auch ernst machen mit der sozialistischen Literatur, mit der Revolution. Doch, und das war und ist auch immer die erste Frage bei uns im Verlagsbüro, was folgt daraus, ein sozialistisches Verlagsverständnis zu haben?

In diesem ersten Teil der Reihe „Sozialistischer Verlag“ will ich euch davon schreiben, welche Rolle die Kunst, welche Rolle ein Verlag wie der unsere in der Gesellschaft spielen kann. Dazu ist – getreu des Selbstverständnisses – im ersten Schritt zu klären, was die Revolution ist und wer sie macht, denn: Wir sind es nicht. Die Revolution wird ausgehen von der einzig fortschrittlichen, revolutionären Klasse in der kapitalistischen Gesellschaft: der Arbeiterklasse. Die Arbeiter:innen sind es, die den Reichtum der ganzen Welt erschaffen. Durch diese Stellung im globalen Produktionsprozess sind sie es, die im Klassenkampf den Kapitalisten die Produktionsmittel (Maschinen, Fabrikhäuser, Datencenter usf.) entreißen werden. Die Revolution ist die Erhebung der Arbeiterklasse über ihre Ausbeuter, die Kapitalistenklasse.

Wenn man noch nicht so sehr mit marxistischen Ideen vertraut ist, so mag das abstrakt klingen. Daher will ich das in einem einfachen Beispiel ausdrücken: Es gibt eine Firma. Darin gibt es eine Oberetage, in der sitzt der Kapitalist. In der Firma putzen Reinigungskräfte den Dreck weg, sie werden schlecht dafür bezahlt. Noch läuft alles, wie es soll – bis eines Tages die Reinigungskräfte entscheiden, nicht mehr putzen zu wollen unter diesen Bedingungen. Sie streiken. Zwischenzeitlich verfallen die Räume der Firma und triefen voll Scheiße. Es kommen keine Kunden mehr, der Kapitalist verliert Geld. Der Kapitalist will seine Reinigungskräfte zurück. Doch diese verweigern die Dienstleistung, kämpfen und streiken, mit den Buchhaltern, mit solidarischen Arbeitern aus anderen Unternehmen, aus anderen Gewerkschaften, solange, bis die ganze Firma den Arbeiter:innen gehört. Das nennt man Arbeitskampf, das nennt man Klassenkampf – der Krieg der produzierenden Klasse gegen die besitzende Klasse. Arbeiter gegen Bourgeoisie.

Meine Mutter putzt in einem Krankenhaus, sie verdient nur €1200,- im Monat. Wenn sie und ihre Kolleg:innen nicht mehr für das Krankenhaus putzen würden, dann könnte es im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr operieren. Krankenhäuser sind heute Firmen, sie folgen der Logik des Kapitals und des Marktes – nicht der der Menschen.

2. Die Rolle der Kunst und des sozialistischen Verlags im Klassenkampf

Genauso gilt, dass in der heutigen Zeit der künstlerische Mensch zum allergrößten Teil ein Arbeiter ist. Die wenigsten können hauptberuflich vom Kunstmachen leben, sind abhängig von Lohnarbeit und Arbeitskämpfen. So verhält es sich auch bei uns, wir zählen Arbeiter und arbeitende Studenten zu unserem Verlag, Angestellte in Forschungsinstituten, Buchhandlungen, Büchereien und bei Weiterbildungsdienstleistern, (angehende) Lohnarbeiter, von denen man noch nicht sagen kann, ob jemand jemals über einen längeren Zeitraum hauptberuflich Geld mit Kunst, Literatur oder Verlag machen wird. Selbst die Geschäftsführung erhält bei uns kein Gehalt, mehr noch: Wir zahlen drauf. Verlag Rotscheibe ist ein Arbeiterverlag.

Doch was produzieren wir eigentlich? Erstmal ist es leicht zu sagen: Kunst, insbesondere in Form von Büchern, deren Inhalt Literatur ist. Im Zweiten aber ist es schon verzwickter: Denn die Ware Kunst beziehungsweise die Kunst als Ware bewegt sich zwischen Einmaligkeit und Vervielfältigung, Angebot und Nachfrage sind oft schwer zu ermitteln, genauso wie der eigentliche Gebrauchswert eines Kunstwerks. Hier unterliegen wir den chaotischen Gesetzen des (Kunst-)Marktes, unsere Waren zu verkaufen und konsumierbar zu machen. Doch wenn wir uns diesen Gesetzen schon unterwerfen müssen, dann wollen wir über das Beklagen der „Warenförmigkeit der Ideen“ und einer individualistischen Konsumkritik hinausgehen.

Das können wir nur, indem wir uns immer und immer wieder auf unsere Klasse besinnen, mit der und für die wir produzieren – mit und für alle Lohnbeschäftigten, Ausgebeuteten und Unterdrückten, die ihre Ketten verlieren wollen, indem sie sie selbst abwerfen. Selbst in einem reichen Land wie Deutschland sterben die Arbeiter auf Raten, wenn sie ihre Zeit dem Dienstherren, dem Kapitalisten überlassen, der sich daraus einen schönen Mehrwert generiert; bald sterben sie für deutsche, imperialistische Interessen und Kriege und schießen auf ihresgleichen, den Arbeiter eines anderen Landes in Soldatenuniform; bald sterben sie, wenn sie ihre Arbeit verlieren, wenn sie psychisch erkranken, in einem Sozialsystem, das in Kürze die grundlegenden Lebensbedürfnisse nicht mehr abdecken wird. Und das alles, weil wenige Reiche um ihre weltweiten Profitraten fürchten.

Das können wir nur, wenn wir jeden Tag die Klassenfrage stellen und sie mit Klassenkampf und Klassenbewusstsein beantworten. Das nur können wir tun: Durch unsere Kunst die Missstände besprechen und beschreien, dem Arbeiter ein Lied geben, ein Gedicht als Waffe, einen Text, der Trost spendet oder Gelächter, eine Kolportage, die zum Tanzen veranlasst, Wut anheizt oder Kampfeslust ausstreut. Nicht über, sondern mit der Klasse stehend, in Solidarität und Seite an Seite. Auch wir kämpfen diesen Klassenkampf, und das ist unser eigentliches Produkt: Klassenbewusstsein. Wir liefern die Ideen, die Formen, die Inhalte, die Geschichten, wir schaffen den Raum für Emotionalität, für Gemeinsamkeit, gegen Einsamkeit. Das ist es, was den Herrschenden Angst macht; das ist es, warum sie Buchhandlungen von den Preislisten streichen, wie es unlängst dem „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“, „Golden Shop“ und „Buchladen Rote Straße“ ergangen ist.

Wie es das Kollektiv zur Gründung eines Bundes revolutionärer Kunstschaffender zum Ausdruck bringt: „Die grundlegende materialistische Bedingung heutiger Kunstproduktion lautet daher: im und gegen den Repressionsapparat zugleich arbeiten zu müssen.“ Als Verlag stehen wir im Widerspruch, im und gegen das System agieren zu müssen. Doch alle Widersprüche streben danach, in Bewegung gesetzt und synthetisiert zu werden. Der sozialistische Verlag strebt dementsprechend heraus aus dem Kapitalismus, in den Sozialismus hinein. An alle Kunstschaffenden Deutschlands: Schließt euch uns an im Bund revolutionärer Kunstschaffender!

Im nächsten Teil der Reihe „Sozialistischer Verlag“ geht es um „Reformismus vs. Revolution, oder: Der Kampf der Ideen in der Kunst“

Weiterführende Literatur und Links:
– Kollektiv zur Gründung eines Bunds revolutionärer Kunstschaffender, Kunst als Klassenfrage
https://www.artsoftheworkingclass.org/text/kunst-als-klassenfrage
– Joana Georgi, Mesut Bayraktar, Olivier David, Für eine neue revolutionäre Kunst
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196613.politische-kultur-fuer-eine-neue-revolutionaere-kunst.html?sstr=Kunst
– Fabian Lehr, Sind heute alle ArbeiterInnen, oder niemand mehr?
https://www.youtube.com/watch?v=UBhUvgVBwY8
– Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft
– Alan Woods, A Muse of Fire: Art, Society and Revolution
https://marxist.com/a-muse-of-fire-art-society-and-revolution.htm

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