LITERATUR

BÜCHER UND MARKT

Um Bücher zu verkaufen muss man sie erst beworben haben. Allein wie weit Buchunternehmen und Verlagshäuser in der Vermarktung ihrer Artikel schon gekommen sind, sind uns heute keine Grenzen mehr. Es ist weder verwunderlich, noch bestürzend, wenn Verlage innerhalb ihrer Kanäle den Nutzern, passend zum Chicken-Wing-Eimer anlässlich einer bis zum get no durchgemarkteten Sportveranstaltung, die kuriosesten Begebenheiten des Super Bowls in Buchform anbieten. Das Wasser läuft ja ohnehin im Mund zusammen. Für den Choleriker stellt sich hier die Frage, was als das größere Übel zu nehmen ist: Die Inhalte selbst oder das Erheischen von Effekten und Aufmerksamkeit. Es lässt sich auch gut in Worte fassen, was dem Verlag schon zur Innerlichkeit geworden war: Die Aufmerksamkeit des Kunden ist die Flüchtigkeit selbst – zur richtigen Zeit am richtigen Ort, dabei die richtigen Knöpfe drücken, das muss also patent sein. Wie heftig muss die eigene Werbefläche erstrahlen, wenn der Beruf des Tiefbauers bereits eine Berufung ist? Vermutlich greller als der Super Bowl selbst.

LOKALITÄT

Verwurzelt irgendwo im (Würzburger) Raum

Literatur unterliegt keinem Raumkonzept. Sie wird nicht in Bahnen gelenkt oder in administrative Grenzen und Schranken verwiesen, wenngleich sie raumprägend für alles physisch-materiell Erlebbare ist ohne messbar und kartierbar zu sein. Wir kommen aus Würzburg. Und nicht nur hier verstehen Menschen Räume, Regionen und die Regionalität als Behälter in dem Sachverhalte enthalten sind. Würzburg ist ein Kessel voll Wein.– starr, bestimmt von natürlichen Faktoren sind Wahrnehmung, Produktion und Reproduktion. Es vereinfacht – Schubladen sind auf oder zu. Dichotom – Haben wir Kultur? – Ja/Nein. Würzburg, wie hast du es mit der Literatur? Die „Fränkische Literaturmetropole“ ist nicht der status-quo, aber das Ziel. Würzburg ist nur Adressat der Frage, die Auseinandersetzung mit ihr findet in mentalen Räumen, im Inneren von Mensch und Literatur statt, die wir kommunizieren, konstruieren und vernetzen wollen. So ist und bleibt die Bewertung Würzburgs Literatur immer eine überregionale Antwort.

ARBEITSWEISE

Vom Wirtschaften zum Seelsorgen

Von der Pionierarbeit der Kollektiven Literaturzeitschrift Würzburg (KLW), die auf dem Substrat der „Autor:innen-Leser:innen-Seelsorge“ wurzelt, ernten wir mit dem Verlag Rotscheibe einen heterogenen, mannigfaltig sozialisierten und veranlagten Kreis an Autor:innen. Aus diesen Beziehungen, die zum Teil behaftet sind mit Vertrauensvorschüssen, aber auch mit unerfüllten Erwartungen und Potenzialen, schöpfen wir eine diskursbereite kritische Masse. Wenn man also die KLW als Spielwiese bezeichnen möchte, dann ist der Verlag das benachbarte Kettenkarussell – irgendwie größer und Zentrifugalkraft scheint zu wirken. Diese Zentrifugalkraft kann durchaus als „Druck zum Wirtschaften“ interpretiert werden. Geld, Arbeitsplätze, Existenzen – auch das ist Verlagsarbeit. Nur stellen wir unsere Mitarbeiter beim Konzept „Autor:innen- Leser:innen-Seelsorge“ nicht hinten an und machen eine „Autor:innen-Leser:innen-Mitarbeiter:innen-Seelsorge“ daraus – werbetechnisch mag das „unsexy“ formuliert sein.

Literaturmetropole

Hier jagen wir Monotonie und Zerstreuung gleichermaßen.
Das Gären von Aufstieg und Fall in einer Kolumne.

Letzer Artikel

„Diogenese“ – Literaturmetropole, der Kolumne Zweiter Teil

von: Florian Bötsch & Marco Bötsch

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