von: Florian Bötsch & Marco Bötsch

November 15, 2022

„Diogenese“ – Literaturmetropole, der Kolumne Zweiter Teil

Anton Maria Mosers im Pfirsich Gorilla Schloss oder AssMonkeyCastle, Arschaffenburg, Aschaffenburg, Ajäbärsch, oder:

Aus Würzburg – frei-gekünstelter Abriss der 4. Buchmesse am Untermain, 12. November 2022

“Es weiß ohnehin niemand, wer ich bin oder was ich tue, also habe ich mich des Mikrofons ermächtigt … ich bin – an der Programmtafel steht Anton Maria Mosers – ich bin nicht Anton Maria Moserrr, doch Anton Maria Moserssss Verleger …”, verhaltene Reaktionen aus der Hörerschaft.

Das ist alles ganz ehrlich, eigentlich ganz transparent; seit Mai dieses Jahres, was ist schonmehr passiert als Anton Maria Moser(-s Verlegung)? Ich fahre Fahrrad, denke an eine Bildfläche, über die ein Tolkien-Epos und wieder nicht, ein Zug und wieder nicht, ein Büro und wieder nicht, die Welt ist zu fragmentiert in ihrer Darstellung und ich nehme an, das ist der Grund, warum wir immer mehr Experten brauchen und warum drei Stunden in der Woche verlegerische Tätigkeit vollkommen ausreicht. Was ich vielleicht anders anordnen sollte, syntagmatisch, ich will aber betonen, dass es sich um eine Bilanz handelt, weshalb es erstmal dabei bleibt. Jemand sagt: ich solle an keine Bilanz glauben, die ich nicht selbst gefälscht habe.

Mein Wort des Tages lautet: zoohaft. An mein Gehege treten Gesichter. Ich trinke Kaffee. Wo sonst zwei Tische, unsere Tische, eine U-Straße bilden, blickt eines der Gesichter schätzend auf meine Bücher als wären sie alte Bananenschalen. Dem Alter des Gesichtes nach zu urteilen, könnte auch es bald in sich zusammensacken. [Mittagspause. Wir holen Falafel-Sandwich; eine Tochter sagt zu ihrer betagten Mutter: „Du musst Dich regelmäßig strecken und was für die Muskelspannung tun. Sonst sackst Du nach und nach in Dich zusammen.“] „Kennen Sie die KLW schon?“ Das Schloss antwortet: „Diese Buchmesse hat ein demographisches Problem.“ „Kennst Du die KLW schon?“ Was früher Deutsch-Südwestafrika, heute Togo und als „Literaturzeitschrift to go“ willentlich als Deutsch-südwestafrikanische Literaturzeitschrift missverstanden. Im Vorbeischreiten junge Menschen mit Partyhüten auf einer kleinstädtischen Buchmesse – eine Szene. Ich hatte etwas erwartet. [Ich hatte gehört, nebenan im Gondwanaland herrschten bessere Konditionen – Sie verstehen?] Erwartet vielleicht so etwas wie Verständnis für unsere ästhetischen Codes, zumindest etwas wie gemeinsame Füllwörter und so (oppor-)tun als ob (or tun).

Zur 4. Buchmesse am Untermain verbietet mein Geschäftspartner es mir, mich als Anton Maria Moser auszugeben und die Menschen zum Narren zu halten – wie schön, dass ich Anton Maria Mosers (Verleger) sein durfte (es immer noch sein darf). Ein Buch habe ich dadurch verkaufen können, und ich werde es wieder tuhen, nächstes Jahr. Detlef, Patentanwalt und Moderator meiner vorübergegangenen Lesung, sagt zum Schluss zu mir: „Ogernisation ist, wenn es trotzdem funktioniert (tagsüber).“ Dazu zählten wir siebzehn Euro im Spendentopf. Dürfen wir fragen, lohnte es sich? Bilanziert: fünfundsiebzig Euro Standgebühr und zehn Euro Parkgebühr stehen unseren Einnahmen gegenüber. Spritkosten blieben erspart, Mutter hat gezahlt, Dieselpreis 2.009/l.

Wer sonst noch da war? Schauen Sie im nächsten Jahr!

Wir verließen Würzburg, den Weinkessel, den wir das letzte Jahr mit so vielen Fragen gefüllt. Das Schloss sagt: „Die neuen Gesichter sind die Alten, und hier kennt euch wirklich keine Sau.“

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